Gegenwind im Reichswald

Beispiele von Argumenten

Sie nehmen sich die Zeit, eine individulle Stellungnahme zu verfassen? Damit leisten Sie einen wertvollen Beitrag im Bemühen, die Streichung der im aktullenen Regionalplan-Entwurf vorgesehenen Windenergiebereiche im Reichswald herbeizuführen. Für den Fall, dass Sie Inspiration benötigen, sind vielleicht die untenstehenden Argumente hilfreich. Bitte übernehmen Sie sie nicht wortwörtlich, sondern formulieren Sie in Ihren eigenen Worten aus. Stellungnahmen mit demselben Wortlaut werden nämlich nicht individuell bearbeitet. 

Um deutlich zu machen, auf welchen Teil des Regionaplans sich Ihre Stellungnahme bezieht, verweisen Sie bitte auf:
- zweiter Entwurf des Regionalplans Düsseldorf
- Stand Juni 2016
- Windenergiebereiche im und am Reichswald (Kapitel 8.2; Blätter 5 und 6) 

 

  • Unverhältnismäßigkeit vor dem Hintergrund der bereits vom Kreis Kleve gelieferten Nennleistung - Der Landesentwicklungsplan NRW sieht vor, dass in der Planungsregion Düsseldorf zur Nutzung von Windenergie Flächen für eine Nennleistung i.H.V. 1,7 TWh/a zur Verfügung gestellt werden. Die im Kreis Kleve bereits installierte Nennleistung beträgt mehr als 0,5 TWh/a – mehr als ein Drittel der für das gesamte Planungsgebiet Düsseldorf geforderten Menge. Dass der Regionalplanentwurf trotzdem ausgerechnet in einem der wenigen Waldgebiete des Kreises großflächig weitere Flächen für Windkraft ausweist, ist nicht verhältnismäßig.
     
  • Verstoß gegen das Ziel der Waldvermehrung - Der Kreis Kleve ist waldarm. Weniger als 15% der Fläche ist von Wald bedeckt. Der kürzlich verabschiedete Landesentwicklungsplan fordert in waldarmen Gebieten das Hinwirken auf eine Waldvermehrung. Vor dem Hintergrund ihres Waldanteils von 18% ist die Kommune Goch auch im „Forstlichen Fachbeitrag zum Regionalplan Planungsregion Düsseldorf“ aus dem Jahr 2013 als Suchraum für Waldvermehrung definiert. Entsprechend ist vor allem die Darstellung der Windenergiebereiche auf Gocher Waldflächen nicht nachvollziehbar. Aber auch die auf Kranenburger Gemeindegebiet im Reichswald ausgewiesenen Vorrangzonen widersprechen für den Kreis Kleve betrachtet den Zielen des Landesentwicklungsplans.  
     
  • Artenverlust der Flora und Fauna - Die auf den Blättern 5 und 6 dargestellten Windenergiebereiche liegen unweit des Natura 2000 und Fauna-Flora-Habitat Gebiets Geldenberg bzw. der Naturwaldzelle Rehsol sowie auf niederländischer Seite der Natura 2000 Gebiete St. Jansberg und De Bruuk und weiterer Naturgebiete. Durch den Bau und Betrieb von Windenergieanlagen würden diese Naturschutzgebiete massiv negativ beeinträchtigt. Die Flugrouten vieler Brut-, Zug- und Greifvögel sowie von Fledermäusen verlaufen über den Reichswald. Geschützte Fledermäuse haben hier ihren angestammten Lebensraum. Der Betrieb von Windenergieanlagen in diesem Wald würde unweigerlich zur Tötung unzähliger Tiere durch Kollisionen oder tödliche Organverletzungen durch Druckdifferenzen führen.  
  • Ökologischer Wertverlust; Flächen entsprechen nicht den Kriterien des Windenergieerlasses NRW - Der Windenergieerlass ermöglicht die Planung von Windenergieanlagen auf „minderwertigen Waldflächen“, die vor allem durch Monokulturen gekennzeichnet sind. Obwohl es im Reichswald Flächen gibt, in denen Nadelholzgewächse dominieren, handelt es sich insgesamt um ein geschlossenes artenreiches Mischwaldgebiet. Hierzu zählen auch die auf den Blättern 5 und 6 dargestellten Bereiche. Angesichts ihrer hohen ökologischen Wertigkeit sollte von ihrer Ausweisung als Windenergiebereiche abgesehen werden. 
     
  • Kompensation ist nicht möglich - Die als Konzentrationszonen ausgewiesenen Flächen sind Teil eines Biotopverbunds, dem das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW eine besondere bis herausragende Bedeutung bescheinigt. Der Bau und Betrieb von Windenergieanlagen an dieser Stelle kann auch durch Aufforstungen anderswo nicht kompensiert werden. Hinzu kommt, dass es angesichts der großen Flächenkonkurrenz im Kreis Kleve kaum verfügbare Flächen für entsprechende Ausgleichsmaßnahmen gibt.  
  • Zerstörung eines landesweit bedeutsamen Kulturlandschaftsbereiches - Der Reichswald ist eine bis heute weitgehend unzerschnitten gebliebene hochwertige Kulturlandschaft. Sie ist frei von einer visuellen Beeinträchtigung durch Strommasten oder hohe Bebauung. Im Reichswald befinden sich zahlreiche Relikte der Waldentwicklung, Kriegsgeschichte und sogar urgeschichtliche, römische und mittelalterliche Besiedlungs- und Nutzungsareale sowie großflächige Grabhügelfelder. Das gilt auch für die auf den Blättern 5 und 6 als Windenergiebereiche dargestellten Flächen. Die Errichtung von Windenergieanlagen in diesem Wald würde mit Verlusten im historischen Zeugniswert einhergehen, die nicht ausgleichbar sind. Hierzu zählt neben der Veränderung des einzigartigen Landschaftsbildes vor allem die drohende Zerstörung archäologischen Kulturgutes.
  • Vernichtung des Erholungswertes durch Lärm und Schattenwurf - Der Reichswald stellt einen wertvollen Erholungsraum dar. Von Windenergieanlagen gehen erhebliche Lärmimmissionen aus. Schattenwurf bringt zusätzliche Unruhe. Daher würde der Betrieb von Windenergieanlagen den Erholungswert des Waldes bis weit über die Grenzen der im Regionalplanentwurf vorgesehenen Vorranggebiete zunichtemachen. Aus dem Attraktivitätsverlust würde sich auch ein wirtschaftlicher Schaden für den örtlichen Tourismussektor ergeben. Studienergebnisse aus anderen Regionen lassen einen Rückgang der Touristenzahlen und Tagesausflügler erwarten. Dies würde die Gastronomie, Hotellerie, den Handel und Freizeiteinrichtungen nachhaltig treffen.
  • Unwiederbringlicher Verlust von Bodenfunktionen - Für die Fundamente und den Bau von Windenergieanlagen muss der Boden weiträumig stark verdichtet werden. Selbiges gilt für die Zuwegungen. Der Boden verliert seine Funktionen z.B. als Nährstofflieferant oder Wasserspeicher. Auch am Ende der Laufzeit kann keine Wiederaufforstung erfolgen, weil der Boden keine ausreichende Wuchsleistung mehr erbringen kann. Das bedeutet, dass die betroffenen Waldflächen dauerhaft verloren wären, wenn es zum Bau und Betrieb von Windenergieanlagen im Reichswald käme. 
  • Waldbrandrisiko - Ein Löschen von Bränden, die durch technische Defekte oder Blitzeinschlag an Windenergieanlagen entstehen können, ist wegen der großen Höhe nicht möglich. Bei einem Zwischenfall in Trockenperioden kann es durch Funkenflug zu einem Großwaldbrand kommen. 
  • Verunreinigungsrisiko für Grund- und Oberflächenwasser - Die auf den Blättern 5 und 6 ausgewiesenen Windenergiebereiche liegen zum Großteil höher als die sie umgebenden (Natur-)Gebiete. Verschmutzungen des Bodens während der Errichtung oder dem Betrieb von Windkraftanlagen beispielsweise durch Schmiermittel hätten nicht nur für die betroffenen Parzellen negative Auswirkungen. Auch der Wasserhaushalt der tiefer gelegenen (Natur-)Gebiete würde beeinträchtigt. Vor allem das Oberflächenwasser des Feuchtraumgebiets “Koningsven – De Diepen” auf niederländischer Seite sowie die Flüsse Niers und Maas würden auf eine Verschmutzung empfindlich reagieren.  
  • Nicht-Erfüllung des Ziels des Klimaschutzes - Der Reichswald speichert CO2, reguliert das Klima und dient dem Klimaschutz. Der Bau von Windenergieanlagen an dieser Stelle ist auch in diesem Zusammenhang kontraproduktiv. 
  • Destabilisierung und Steigerung der Sturmanfälligkeit des Reichswalds - Gehäuft auftretende Stürme und Starkregen haben noch kürzlich eindrucksvoll gezeigt, dass vermehrt mit extremen Wetterereignissen zu rechnen ist. Sollten für den Bau von Windenergieanlagen im Reichswald jeweils fußballfeldgroße Flächen gerodet werden, wird es zu erheblichem Sturmbruch infolge von Unwettern kommen. 
  • Zu geringer Abstand zur Wohnbebauung (Lärm und Infraschall) - Moderne Windenergieanlagen sind deutlich mehr als 200 m hoch. Nach der 10H-Regel, wie sie in Bayern gilt, müsste der Abstand zwischen Wohnbebauung und Windenergieanlagen 2 km betragen. Das ist beispielsweise bei den entlang der Grunewaldstraße oder am Knollenberg ausgewiesenen Windenergiebereichen nicht der Fall. Neben Lärm stellt Infraschall ein mögliches Gesundheitsrisiko dar. Infraschall nimmt mit der Anlagengröße zu. Dieser Gegebenheit schenkt das bei der Bearbeitung von Bauanträgen zugrunde zu legende Beurteilungsverfahren der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (kurz TA-Lärm) vom 26.08.1998 keine Berücksichtigung. Es mehren sich jedoch die Anzeichen dafür, dass der von modernen Groß-Windenergieanlagen erzeugte Infraschall die Gesundheit beeinträchtigt. Vor der Darstellung von Windenergiebereichen unweit von Wohnbebauung sollten die Ergebnisse laufender wissenschaftlicher Langzeituntersuchungen diesbezüglich abgewartet werden. 
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