Gegenwind im Reichswald

Unsere Einwände gegen Windkraftturbinen im Reichswald

Prinzipiell befürwortet unsere Bürgerinitiative erneuerbare Energien. An nachhaltiger Energieerzeugung führt kein Weg vorbei – so viel ist sicher. Die Realisierung von Windkraftparks in Waldgebieten hat jedoch eine negative Ökobilanz. Wir sind der Meinung, dass Windkraftanlagen nicht in wertvolle und äußerst empfindliche Naturgebiete wie Wälder gehören. Daher sind wir auch strikt gegen das Vorhaben, einen 12 Windkraftturbinen umfassenden Windkraftpark im Reichswald zu errichten.

Verkleinerung des Waldumfangs zerstört Naturwert des gesamten Waldes

Das Waldgebiet zwischen Kleve und Nimwegen erstreckt sich über eine Fläche von fast 10.000 Hektar. Damit ist es eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete sowohl Kreis Kleves als auch der Niederlande. Wälder sind das Ergebnis einer oft Jahrhunderte langen Entwicklung. Der Naturwert von Waldgebieten nimmt mit ihrem Umfang zu. Ein Windkraftpark entlang des Kartenspielerweg in Kranenburg würde zu einer erheblichen Verkleinerung des Waldumfangs führen. Der geplante Park erstreckt sich über eine Länge von 5km und eine Breite von insgesamt 400m. Die von den Windkraftturbinen negativ beeinflusste Fläche wäre jedoch um einiges größer. Eine beachtliche zusätzliche Waldfläche würde folgenden Einflüssen der industriellen Aktivitäten ausgesetzt und v.a. der Tierwelt großen Schaden zufügen:

  • Gefahr für Vögel und Fledermäuse, durch Rotorflügel
  • Lärm durch Rotorflügel-, Antriebs- und Windgeräusche
  • Infraschall (gesundheitsschädliche unhörbare Luftschwingungen mit tiefen Frequenzen)
  • Erschütterungen im Boden durch Bewegungen des Rotors
  • Schattenwurf
  • Beeinträchtigung durch Wartungsarbeiten

Zudem besteht sowohl beim Bau als auch während der gesamten Betriebsdauer das Risiko einer Verunreinigung des Bodens durch die von jeder Windkraftturbine geführten hunderte Liter Öl.

Sollten die Pläne für die Errichtung eines Windkraftparks realisiert werden, würde damit ein beachtlicher Teil des Naturwertes des Reichswaldes als Ganzes zerstört werden.

Hinzu kommt: Von einem eventuellen Brand - ausgelöst z.B. durch einen technischen Defekt oder Blitzeinschlag - geht bei Waldstandorten ein Risiko mit unüberschaubaren Folgen aus. Wegen der enormen Bauhöhe können Brände an Windkraftturbinen nicht gelöscht werden. Die Feuerwehr lässt sie abbrennen. Dabei können die viele Tonnen schweren Rotorblätter brennend zu Boden fallen. Die Folgen eines solchen Unfalls im Reichswald im trockenen Hochsommer kann man sich leicht ausmalen. Dass Brände an Windkraftturbinen keine Seltenheit sind, zeigt z.B. die Liste von Unfällen an Windkraftanlagen in Deutschland und Österreich.

Massive Eingriffe in ein einzigartiges Landschaftsbild

Die Moräne zwischen Kleve, Goch und Nimwegen ist ein einzigartiges Überbleibsel der letzten Eiszeit. Sie umfasst das einzige hufeisenförmige Zungenbecken in den Niederlanden, das auf einen Blick überschaubar ist. Bisher ist das Gebiet vor einer negativen Beeinträchtigung durch große Gebäude oder Hochspannungsmasten verschont geblieben. Es stellt eine der wenigen unversehrten Landschaften der Region dar. Windkraftturbinen mit einer Höhe von 200m würden dem durch den Reichswald geprägten Landschaftsbild einen enormen Schaden zufügen.

Verlust von Erholungsgebiet-Charakter und finanzielle Einbußen

Der Reichswald und seine direkte Umgebung haben einen großen Freizeitwert und sind die Basis für den Tourismus in dieser Gegend. Nicht nur unter ökologischen, sondern auch unter ökonomischen Aspekten ist sie besonders schützenswert. Es ist zu erwarten, dass die durch einen Windkraftpark verminderte Attraktivität der Landschaft als Erholungsgebiet zu empfindlichen Einbußen für den Tourismussektor führen würde.

Nutzen von Windkraft wiegt nicht gegen Schaden aus Vernichtung von Wäldern auf

Windkraft in ihrer aktuellen Form ist eine deutlich weniger „grüne“ Energiequelle als die Windkraftlobby es die Bevölkerung glauben lassen möchte. Ihr Potential ist begrenzt, und sie bringt viele Risiken mit sich. Natürlich ist dies auch bei der Errichtung von Windturbinen auf Freiflächen der Fall. Aber wenn Teile von Waldgebieten mit einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt weichen müssen, ist der zu zahlende Preis ganz sicherlich zu hoch. Zu den Nachteilen der Erzeugung von Energie mittels Windkraft, wie sie heute betrieben wird, zählen u.a.:

  • Um Strom aus im Norden Deutschlands gelegenen Windkraftparks in den Süden zu transportieren, werden momentan Pläne für den Bau neuer Stromtrassen diskutiert. Diese neuen Hochspannungsleitungen werden ebenfalls erhebliche negative Auswirkungen auf Mensch und Natur haben. Auch sie werden durch Waldgebiete verlaufen und das Landschaftsbild erheblich verändern. Die Bevölkerung in den betroffenen Regionen ist zudem besorgt, dass elektromagnetische Felder ihre Gesundheit gefährden könnten.
  • Sowohl beim Bau als während des Betriebes wird der Tierwelt erheblicher Schaden zugefügt. Das belegen inzwischen zahlreiche Forschungsberichte. So verenden nach Angaben des in Schleswig-Holstein ansässigen Michael-Otto-Instituts jedes Jahr bis zu 100.000 Vögel an deutschen Windkraftturbinen.
  • Ohne erhebliche Subventionierung durch den Staat rentiert sich Windkraft nicht. Sie verschlingt große Mengen Öffentlicher Mittel. Profitieren tun davon lediglich die an den Projekten beteiligten Energieunternehmen, Auftraggeber und Grundbesitzer.

Das Argument, Windkraft vermindere den Ausstoß von CO2 ist ein unwahr:

  • Das Produktionsvolumen von Windkraftturbinen unterliegt starken Schwankungen. Manchmal weht es zu wenig – zu anderen Zeitpunkten wiederum zu viel. Um Versorgungslücken schließen zu können, werden z.B. Kohlekraftwerke im Hintergrund ständig weiterbetrieben. (Sie können nicht kurzfristig erst bei einem zu niedrigen Ertrag der Windkraftturbinen hochgefahren werden.) Angesichts der Zunahme der Energiegewinnung aus Windkraft werden hierfür inzwischen sogar neue Kohlekraftwerke gebaut!
  • Bei der Produktion und dem Transport von Windkraftturbinen wird viel CO2 ausgestoßen. Gleiches gilt für den Bau am gewählten Standort. Untersuchungen haben gezeigt, dass maximal (!) 30% des durch Windkraft erzeugten Stroms CO2-Ausstoß-frei ist.

Wegen hinter den Erwartungen zurückbleibender Energieerträge werden inzwischen viele Windkraftparks wieder vom Netz genommen! Eine Garantie für Erträge aus Windkraftturbinen im Reichswald gibt es nicht. Sicher ist lediglich, dass die Schädigung des Waldgebietes auch bei einer Stilllegung nicht rückgängig zu machen wäre.

Angesichts obenstehender Einwände erscheinen die Pläne der Realisierung eines Windkraftparks im Reichswald als ein äußerst kurzsichtiges und gegenüber zukünftigen Generationen nicht zu verantwortendes Unterfangen. Von ihrer Umsetzung sollte unbedingt abgesehen werden!